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| Katja's Bericht vom Percy de Wolf Junior Rennen 2004 in Dawson |
Ich
möchte gerne allen Mushing-Fans einen kleinen Eindruck geben von meinem ersten grösseren Hundeschlittenrennen das ich letzten Winter
(März 2004) gefahren bin, nämlich dem Percy Junior in Dawson City (100meilen).
Vielleicht zuerst kurz wie ich überhaupt zum Mushen gekommen bin. Alles fing nämlich mit einer zunehmenden, typisch für Frauen, ich-werde-30-jährig-Krise an. Da liess ich mir von meinem Mann 1 Woche Hundeschlitten fahren schenken, machte daraus zwei Wochen, und das reichte auch schon um einen heftigen ‚Yukon-Virus’ einzufangen, der mich seither jedes Jahr im Winter wieder für mehrere Wochen befällt! So kam nach einiger Zeit auch der Drang, doch einen Schritt weiter zu gehen und nach einigen Fun-Rennen doch ein etwas Anspruchsvolleres zu fahren. Nach Absprache mit Sebastian schien das Percy Junior genau das Richtige zu sein, welches mir distanzmässig und auch vom Datum her gut passte. Nach doch sehr aufwändigen Vorbereitungen von Material, Hundefutter, Kleidern, Schlitten,
Essen etc. machten wir uns, Sebastian und ich, zusammen mit unseren zwei Hundeteams im Truck, also am Mittwoch auf den Weg nach Dawson City.
Einigen von Euch ist der Fahrstil von Sebastian sicher zu genüge bekannt, also war ich gut mit Medikamente gegen Reisekrankheit
bestückt... aber man höre und staune, da wir genügend Zeit hatten, wurde die Fahrt richtig gemütlich (innerhalb der Tempolimiten!) und
ich konnte die wunderbare Winterlandschaft in aller Ruhe Ein letztes viel Glück und schon fuhren 13 Teams miteinander auf der Startgeraden los. Ich nahm mir genügend Zeit, da ich die Hunde nicht zu schnell laufen lassen wollte (Verletzungsgefahr), ich konnte das Feld ja immer noch von hinten aufrollen. Wir fuhren also am ersten Tag auf dem dick zugefrorenen Yukon-Fluss hinunter bis Fortymile. Kaum hatten wir Dawson City hinter uns gelassen blies uns ein eisiger Nordwind entgegen der die Flusslandschaft in eine arktische Gegend verwandeln liess. Ich kauerte die meiste Zeit im Windschatten auf den Kufen hinter meinem Schlitten, und hatte so doch zwischendurch die Gelegenheit die wunderbare, faszinierende Landschaft entlang dem Yukon-Fluss zu studieren.
Nach über sechs Stunden sind wir dann in Fortymile angekommen, Sebastian kurz nach mir, dass
eigentlich einzig aus einem Cabin und einigen alten zerfallenen Hütten besteht (gut, das Outhouse mit seiner einmaligen Aussicht auf den
Yukon-Fluss müsste man vielleicht auch noch erwähnen). Da wurde uns ein Walltent mit Ofen zur Übernachtung gestellt. Die Versorgung der
Hunde war natürlich erste Priorität, so machten wir uns auch sofort daran sie auf Verletzungen zu untersuchen, sie wo nötig zu massieren,
und das Futter auf unseren mitgebrachten Kochern Nach einer wirklich eisigen Nacht mit wenig Schlaf traten wir am nächsten Morgen der zweite Teil des Rennens an, die Rückfahrt nach Dawson City. Dasjenige Team das am Tag zuvor zuerst in Fortymile ankam, startete um 10 Uhr, und die restlichen folgten in den Abständen wie wir tags zuvor eingelaufen sind. Das hiess, dass ich als 6., gefolgt von Sebastian, aus dem haarsträubenden Start losfahren konnte. Nach Absprache mit Sebastian wartete ich kurz nach dem Start auf ihn, da er nicht sicher war ob er den Rückweg alleine schaffen würde. Einige seiner Hunde hatten überhaupt nicht gefressen und waren zum Teil in einem schlechten Zustand. Nachdem wir eine kurze Zeit zusammen gefahren sind, überholte Sebastian mich mit dem Kommentar, dass er wohl doch schneller wäre als ich... von da an habe ich ihn für die nächsten etwa 35Meilen nur noch von hinten und als kleiner Mensch um die nächste Flussbiegung fahren sehen... von wegen nicht schaffen und so. Na ja, ich fuhr genau so weiter wie ich es für mich und mein Team für gut befand. Das Wetter spielte auch besser mit, leider hatten wir nicht unbedingt den Rückenwind den wir erhofften, aber immerhin kein Gegenwind mehr und wieder wunderbares Wetter. Als ich etwa 15Meilen vor Dawson aus einem Waldstück rausfuhr, hatte ich Sebastian doch tatsächlich wieder eingeholt. Durch den Wald hat mein Team wieder aufgedreht (Abwechslung der sonst immer gleichen Flusslandschaft tut auch den Hunden gut) und ich denke mal bei einigen Steigungen kam mir meine Grösse und mein relativ leichtes Gewicht (im Vergleich) doch sehr zu Gute. Sebastian hat dann auch sofort mit Handzeichen angezeigt dass ich in überholen solle und so... ja wie denn, wenn ich ja gar nicht schneller fahren kann... unmissverständlich machte er mir mit Gesten klar, dass Pedalen (Unterstützung mit einem Fuss) jetzt das Richtige sei. Ich also los, schaffte es auch knapp ihn zu überholen und hatte von nun an meinen Lehrmeister direkt auf den Fersen. Das hat mich natürlich doch etwas unter Druck gesetzt und ich habe mir sehr Mühe gegeben alles richtig zu machen unter dem aufmerksamen Blick von Sebastian. Aber ehrlich, 15Meilen lang pedalen, das schafft ja kein Mensch! Also habe ich nach kurzer Zeit damit wieder aufgehört, und so ab und zu mit meiner Kraft die Hunde unterstützt.
Wir sind bis zur Rangverkündigung mit anschliessendem Abendessen in Dawson City geblieben, was toll war. So hatte ich nämlich auch die Chance andere Musher (zum Teil auch bekannte, grosse Namen) kennen zulernen und mit ihnen zu sprechen was sehr unterhaltsam war. Und da konnte ich nämlich auch mein Preisgeld von 100 CDN$ als Fünftplazierte in Empfang nehmen!! Alles in allem war das eine sehr gute und lehrreiche Erfahrung, vor allem weil ich von Sebastian auch durch Gespräche doch hoffentlich so einiges dazulernen konnte! Und vermutlich ist das Percy Jr. 2004 auch nicht das letzte Rennen das ich gefahren bin. Denn jetzt gerade, während ich den Bericht verfasse, herrschen draussen hochsommerliche Temperaturen von beinahe +30°C, und es kribbelt schon wieder heftig unter den Fingernägeln und ich kann es kaum erwarten bis der Winter kommt! Es wäre natürlich noch viel mehr zu Erzählen gewesen, aber das hätte den Rahmen noch mehr gesprengt... Ich hoffe Ihr habt durch meinen Bericht trotzdem einen kleinen Eindruck gewinnen können, und
wer weiss, vielleicht trifft man den einen oder anderen von Euch ja mal beim Mushen! Nochmals ganz herzlichen Dank an Sebastian für
alles!! Geeeillle Sache!! Und natürlich auch an Jocelyne und das ganze Bluekennels-Team sowie William Kleedehn und Catherine Pinard für
die tollen Hunde die ich von ihnen fahren durfte! |